Der geschlossene Kreis – Ein Kunst(stoff) – Projekt

Das Projekt befindet sich in der Planungsphase...
Von Hendrik Hackl

Wir schreiben das Jahr 2021 – das neue Jahrtausend ist noch ganz neu, doch es erzählt uns schon jetzt eine unliebsame Geschichte nach der anderen…
Der Mensch – nicht nur, ganz traditionell, permanent in Kriege verstrickt und von Nachrichten über Dürren und Hungersnöte geplagt – er wird langsam, aber stetig wachsend, von den Übrigbleibseln seines vermeintlichen Fortschritts heimgesucht. Tonnen und Abertonnen von Plastik schwimmen im Meer, werden von der Flut an unsere Strände gespült. Plastik überall – es schwebt im Wasser, wird von Fischen als vermeintliche Nahrung ausgemacht, gefressen…

In Meeren, die schon seit Urzeiten von Lebewesen bewohnt werden. In der Jurazeit war es das Zuhause von Plankton, Fischen, Trilobiten, Tintenfischen und Sauriern… In dieser Zeit entsteht ausdem vergärenden Plankton das Erdöl – ein fossiler Energieträger – DER Grundbaustein der Plastikherstellung, auch der von PET-Flaschen.

Das Kunst-Stoff-Projekt „Der geschlossene Kreis“ lässt einen Missing Link entstehen – das bisher fehlende Verbindungsglied zwischen zwei, Millionen Jahre voneinander entfernten Zeiten – dem prähistorischen Meer und unserer Heutigen: Der Wegwerf-Gesellschaft:

Plastikmüll am Strand
Plastikmüll - farblich sortiert - gefunden an Frankreichs Atlantikküste 

Weltweit werden derzeit Pet- Flaschen und anderer Plastikmüll von engagierten Menschen eingesammelt und recycelt. Es entstehen immer mehr Communities und Initiativen.
Der Mannheimer Künstler Hendrik Hackl schliesst  sich der Community Precious Plastic an und trifft dort auf den Maschinenbauingenieur Ingo Reichart, der bereits mit dem Bau eines eigenen Schredders und Verschmelzers beschäftigt ist. 

Derart inspiriert begibt sich der Künstler nach Südwest-Frankreich - findet, sammelt an den Stränden täglich neu angeschwemmte Einwegflaschen. Der eingesammelte „Rohstoff“ wird mit einem selbstkonstruierten, Fahrrad-Getriebenen Schredder zerkleinert und das daraus entstehende Granulat mittels eines Verschmelzers zu einem druckfähigen Material – dem Filament - verbunden. Erst vor Kurzem ist es einigen Technischen Labors und Wissenschaftlern gelungen, nahezu alle Kunststoffe zu recyceln und es für den 3D-Druck verwendbar zu machen. PET war einer der Schwierigsten und Letzten.

Dieses selbst hergestellte Filament wird das Material sein, aus dem im Laufe des Projekts eine neue, sehr moderne Saurier-Spezies entsteht. 

Ichtyosaurier in 3D Präparation (Foto by Granada Gallery)
Ichtyosaurier in 3D Präparation ca. 400 cm - Foto by Granada Gallery

Das Abbild eines 180 Millionen alter Meeresbewohner – ein Ichtyosaurier -  wird dabei ins 21. Jahrhundert transformiert. 

Ichtyosaurier waren schwimmende, delphinartige Jäger, die man erstmals in 1887 in den berühmten Steinbrüchen der bei Holzmaden, im ÖL-Schiefer versteinert, entdeckte. Die erhaltenen Skelette sind normalerweise flach im Ölschiefer eingeschlossen. Nur sehr selten gelingt eine dreidimensionale Präparation.

Er erlebt seine Wiedergeburt - durch einen 3D-Drucker ins Leben gerufen, gespeist von den plastifizierten - jetzt drucktauglichen „Wegbegleitern“ seiner Lebensepoche, dem Plankton des Jurameeres…

Jeder einzelne Knochen des dreidimensional gedruckten Sauriers wird an dünnen Nylonfäden aufgehängt – sein Skelett ein Mobile´-  vom Lufthauch der vorbeigehenden Menschen in Schwingungen versetzt – schwimmend durch unser Heute.