Ammoniten-Skulptur CONNECTED

Connected – gemeinsam bin ich stark

Eine persönliche Skulpturen-Betrachtung von Gerda-Marie Adenau

Frühjahr 2022. Wieder einmal führt mich mein Weg in das Atelier von Hendrik Hackl. Wir haben uns länger nicht mehr gesehen. Hendrik öffnet das Tor zum Ausstellungsraum, und ich tauche wieder ein in die Stille und Erhabenheit dieser kunstvollen Zeugen einer Jahr Millionen alten Vergangenheit. Mit meinen Augen orientiere ich mich, entdecke auf den ersten Blick einige alte Bekannte, nehme aber auch eine Reihe neuer Objekte wahr.

Ich schlendere durch den Raum, und es beginnt – wie so häufig - ein stummes Zwiegespräch zwischen mir und den Skulpturen. Vor einer bleibe ich stehen, lange stehen – „Connected“. Sie hat es mir besonders angetan: Ein Ammonit aus Madagaskar, 120 Millionen Jahre alt. Seine Oberfläche schimmert auf der einen Seite hell, fast weiß. Auf der Rückseite zeigt sich der Ammonit naturbelassen in einem warmen Beige. 

Er steht nicht allein: Als wäre er hineingewachsen, schmiegt er sich an einen kleinen Stamm aus knorrigem, dunkelbraunem Olivenholz. Es scheint, als halte das uralte Holz den noch viel älteren Ammoniten ganz fest und warm. Ich bin fasziniert von der Mischung der Materialien. Ich bin fasziniert davon, mit welchem Selbstverständnis diese ungleichen Materialien aufeinander eingehen. Von dieser scheinbaren Leichtigkeit, die überall dort entsteht, wo Hendrik Fossilien mit Naturmaterialien verbindet und sie sich unter seinen Händen zu Kunstwerken entwickeln. Und davon, wie er mit seinen Momentaufnahmen der Evolution uns immer wieder daran erinnert, wo wir als Menschen herkommen – und wo wir hingehen.

Wir sind Gemeinschaftswesen

 Verbundenheit. Wahrscheinlich bleibe ich nicht zufällig vor diesem Kunstwerk stehen. Connected - das Wort steht für das Gefühl, sich einer anderen Person oder einer anderen Personengruppe zugehörig zu fühlen, zusammen eine Gemeinschaft zu bilden und in einer vertrauensvollen Beziehung zu stehen. 

Skulptur CONNECTED
CONNECTED
H: 160 cm - Ammonit (Aspidoceras, Madagaskar, 140 Mio Jahre), Olivenholz, Eisen

Menschen sind Gemeinschaftswesen – sei es in der Partnerschaft, der Familie, sei es in der Zugehörigkeit zu einer religiösen, beruflichen oder politischen Gruppierung oder einem geopolitischen Raum. Ich fühle mich meiner Familie verbunden, meinen Freund:innen, den Frauen in meinem beruflichen Netzwerk.   

Der Begriff der Verbundenheit endet nicht in der Gegenwart und in der Verbindung zu lebenden Personen. Er umfasst auch das In-Beziehung-Stehen zu anderen Generationen. So wie der uralte Ammonit durch Hendriks Kunstfertigkeit harmonisch in Beziehung zu dem viel jüngeren Olivenholz steht. 

Connected erzählt die Verbindung von Elementen, die sich in ihrer Wirklichkeit nie begegnet sind – und die in ihrer gegenseitigen Berührung kunstvoller nicht sein könnten. Hendrik hat sie so zusammengefügt, als hätten sie nie eine eigene Wirklichkeit ohne den anderen gelebt. Ich nehme den Ammoniten und auch das Holz einzeln in ihrer Schönheit wahr und fühle mich berührt durch ihre scheinbar selbstverständliche Verbundenheit – Connected eben. 

Wen wunderts, dass der Künstler und ich uns anschließend bei einer Tasse Tee noch lange über Verbundenheit, Natur, Kunst und Zeit unterhalten. Wir sitzen zwischen all diesen großartigen Zeitzeugen und sprechen über Verbundenheit; zur Vergangenheit – aber auch über Verbundenheit mit der nächsten Generation. Hendrik erzählt mir von seinem Vater, ich erzähle ihm von meinen Kindern. Wir sprechen über Generationengerechtigkeit und darüber, dass wir zukünftigen Generationen eine Welt hinterlassen, in der sie gut leben können. „Connected“ steht seit diesem Nachmittag auch für die wachsende Beziehung zwischen Hendrik und mir.